20 | 11 | 2018

Agrainfo

Agrarwetter im Winter 2016/17

03.04.2017 - Der Deutsche Wetterdienst (DWD) bilanziert die Auswirkungen des Wetters auf die Landwirtschaft in Deutschland im Winter 2016/17: Trotz mildem, trockenem Dezemberwetter blieb die Winterruhe in der Pflanzenwelt bestehen. Der frostige Januar ließ Zwischenfrüchte abfrieren und ermöglichte eine Eisweinlese. Die Bodenfeuchtesituation entspannte sich im Februar, allmählich erwachte die Natur.

Bodenfeuchte am 08. Dezember 2016 und am 23. Februar 2017 (Quelle Deutscher Wetterdienst 2017)

Insgesamt zu mild und trocken im Dezember

Winterruhe bleibt aber bestehen Im Dezember 2016 herrschte Hochdruckwetter mit viel Sonne, aber auch Nebel. Die geringen Niederschläge konnten den Bodenwasservorrat nicht auffüllen. Zwischen einem milden Monatsbeginn und auch Monatsende breitete sich Kaltluft aus, so dass es zumindest nachts oft Frost gab. Während der kalten Phase wurden die Winterungen abgehärtet, der Frost konnte wenige Zentimeter in den Boden eindringen. Zwischenfruchtbestände begannen abzufrieren. Nur über Weihnachten unterbrachen Tiefausläufer mit milder Luft, Regen und einem Sturmtief den Hochdruckeinfluss. An den Feiertagen lag nur im Bergland etwas Schnee. In den milden Phasen wurde die Winterruhe etwas gelockert, ansonsten hielt sie an. Zum Jahresende blühten vereinzelt im Norden erste Haselsträucher. Die Zuckerrübenkampagne ging zu Ende.

Kalter Januar mit Schnee und Dauerfrost

Zwischenfrüchte frieren ab Starker Hochdruckeinfluss ließ die Winterruhe der Pflanzenwelt im Januar andauern. Bis zu zwei Wochen herrschte Dauerfrost. Nur zum Monatsanfang und in den letzten Januartagen sorgten Tiefdruckgebiete mit teils kräftigen Niederschlägen - häufig als Schnee - für Unterbrechung. Ansonsten bildete sich in vielen Regionen eine Schneedecke von 10 bis teils 70 cm Höhe aus. Während in den schneefreien Regionen Frosteindringtiefen von 10 bis teilweise 50 cm auftraten, war der Boden unter Schnee nur wenige Zentimeter gefroren oder frostfrei. Die letzten Zwischenfruchtbestände froren vielfach ab. In den Weinbaugebieten konnte erneut Eiswein gelesen werden. Es blieb weiterhin zu trocken, zum milden Monatswechsel blühten weitere Haselsträucher.

Milder Februar: Winter auf dem Rückzug, Bodenfeuchtesituation entspannt sich

Der Februar startete mild. Es dominierte eine kräftige westliche Strömung mit vielen niederschlagsreichen Tiefausläufern. Vor allem in der 1. Monatshälfte trat noch leichter Nachtfrost auf. Es gab noch Tage mit Dauerfrost. Mancherorts konnten, vorzugsweise bei leichten Böden bzw. an trockenen Standorten, die Felder und Wiesen befahren werden, so dass eine Gülleausbringung möglich war. Anfangs tauten die Böden nicht überall auf oder waren in der aufgetauten Schicht wassergesättigt. Später verhinderten häufige Niederschläge ein Befahren der landwirtschaftlichen Flächen. Neben der 2/4 Haselblüte erwachten in der letzten Februardekade an vielen Orten Schneeglöckchen und Erlen, womit der Vorfrühling eingeläutet war.

 

 

Land- und Forstwirtschaft

Der Deutsche Wetterdienst unterstützt die Land- und Forstwirtschaft mit agrarmeteorologischen Informationen. Dafür gibt es neben dem gesetzlichen Auftrag (Gesetz über den Deutschen Wetterdienst, §4) zahlreiche Gründe:
• Ökologisch: Die Beachtung der agrarmeteorologischen Rahmenbedingungen ist eine notwendige Voraussetzung für die umweltschonende und nachhaltige Erzeugung gesunder Lebensmittel.
• Ökonomisch: Kaum ein Wirtschaftszweig ist so von Wetter und Klima abhängig wie die Land- und Forstwirtschaft. Das Wachstum und letztlich die Ertragshöhe hängen entscheidend von den agrarmeteorologischen Randbedingungen Wetter, Witterung und Klima ab. So lassen sich knapp 80 % der Varianz der Ernteerträge in Deutschland mit dem Wetter erklären. Das optimale Nutzen der Wettergunst und das konsequente Vermeiden von Wetterschäden sind daher grundlegende Voraussetzungen für eine gleichmäßige und qualitativ hochwertige landwirtschaftliche Produktion.
• Gesellschaftlich: Rund Vierfünftel der Landoberfläche Deutschlands sind von land- oder forstwirtschaftlichen Kulturen bedeckt. Dieser große Teil der Landoberfläche übernimmt zahlreiche Funktionen, wie die Erholungs-und Schutzfunktion und hat positive Wirkungen auf das Lokalklima. Diese Funktionen sind nicht nur für den Bewirtschafter, sondern für die gesamte Gesellschaft von großer Bedeutung.
• Politisch: Die Versorgung einer wachsenden Weltbevölkerung mit Nahrungsmitteln gerät zunehmend in Konkurrenz zur industriellen Nutzung nachwachsender Rohstoffe. Zusätzlich verschärfen die ersten Auswirkungen des Klimawandels diesen Interessenskonflikt.

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Die Abteilung Agrarmeteorologie stellt zu den jeweils relevanten Zeiten Informationen bereit, die Gefährdungslagen zu verschiedenen Themen beschreiben.

  • Hitzestress bei Geflügel
    Wärmebelastung bzw. Hitzestress bei Geflügel wird durch den Gesamtwärmeinhalt der Luft (Enthalpie) beschrieben. Bei Einhaltung des Mindestluftvolumenstromes sowie optimaler Pflege und Betreuung der Tiere kann bei einer Enthalpie von bis zu 67 kJ/kg in der Außenluft das Erreichen der letalen Grenze von 72 kJ/kg in der Stalluft in der Regel vermieden werden. Auf den Originalseiten unter www.agrowetter.de werden die Maxima der Enthalpie für die nächsten Tage tabellarisch dargestellt. Die Aktualisierung der Daten erfolgt im Zeitraum Mai bis September einmal täglich. *)
  • Phytophthora
    Die Kartoffelkraut- und Knollenfäule (Phytophthora infestans) ist eine der - für den Kartoffelanbau - bedeutendsten Pflanzenkrankheiten und erfordert daher eine gezielte Bekämpfung. Das Auftreten einer Phytophthora-Epidemie ist von meteorologischen und biologischen Voraussetzungen abhängig, dargestellt durch die Bewertungszahl BWZ . Ab einer BWZ von 150 sind Bekämpfungsmaßnahmen erforderlich.
    Auf den Originalseiten unter www.agrowetter.de wird die Entwicklung der BWZ für die nächsten Tage tabellarisch für ausgewählte Wetterstationen dargestellt.
    Die Informationen werden von Mai bis Juli bereitgestellt. *)
  • Frosttiefe
    Wichtige meteorologische Informationen im Zusammenhang mit der Düngeverordnung. In einer Karte werden die berechneten Frosttiefen für einen unbewachsenen mittelschweren Boden mittags dargestellt.
    Auf den Originalseiten unter www.agrowetter.de werden in einer Tabelle die berechneten Frosttiefen für einen unbewachsenen und mit einer Zwischenfrucht bewachsenen mittelschweren Boden, sowie die maximale Auftauschicht für heute und die nächsten vier Tage, jeweils mittags, dargestellt.
    Die Informationen werden von Mitte Oktober bis Ende April bereitgestellt.*)
  • Clomazone-haltige Pflanzenschutzmittel
    NT 127: „Die Anwendung des Mittels darf ausschließlich zwischen 18 Uhr abends und 9 Uhr morgens erfolgen, wenn Tageshöchsttemperaturen von mehr als 20°C (Grad Celsius) Lufttemperatur vorhergesagt sind.
    Wenn Tageshöchsttemperaturen von über 25°C vorhergesagt sind, darf das Mittel nicht angewendet werden.“ BVL (Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit, Juni 2012)
    Die Informationen werden von April bis Oktober bereitgestellt.*)


*) Der Zeitraum kann im aktuellen Jahr in Abhängigkeit von der Witterung unter- oder überschritten werden

 

Bodenfeuchte

http://www.dwd.de/DWD/klima/agrar/bf/bf_r_DL_stationen.png

zu den Stationsgrafiken

Agrarmeteorologische Rückblick

Deutscher Wetterdienst zum Agrarwetter im Frühling 2015
Trockenheit und frostige Nächte bremsten die Pflanzenentwicklung im Frühling

Offenbach, 26. Juni 2015 – Wie schon im Vorjahr war der Frühling 2015 insgesamt warm, sonnenscheinreich und vor allem trocken. Nach einem frühlingshaften März, der die landwirtschaftlichen Arbeiten in Schwung brachte, folgte ein trockener April, der erste Beregnungen erforderte. Im Mai spitzte sich die Trockenheit in der Mitte Deutschlands zu, wohingegen es im Norden und im Süden teils überdurchschnittlich viel regnete. Da bis in den Mai noch einige Nächte mit Bodenfrost auftraten, war die phänologische Entwicklung der Kulturen ein wenig verspätet. Das berichtet der Deutsche Wetterdienst (DWD) über die Auswirkungen des Wetters auf die Landwirtschaft in Deutschland im Frühling 2015.

Meist frühlingshafte Witterung im März - Start der landwirtschaftlichen Arbeiten
Passend zum Frühlingsbeginn zeigte sich der März überdurchschnittlich warm und sonnig. Die Niederschlagsbilanz war insgesamt nahezu ausgeglichen, wobei die meisten Niederschläge zum Monatsende fielen. Trotz der überwiegend milden Temperaturabschnitte gab es regional, besonders im Osten, noch viele Tage mit Bodenfrost. Dennoch konnten die landwirtschaftlichen Arbeiten meist problemlos starten. Die Sommerungen wurden ausgebracht und gebietsweise konnten schon Zuckerrüben gedrillt und Kartoffeln gelegt werden. Vielfach begann das Ergrünen des Dauergrünlandes. Einhergehend mit den Wachstumsregungen in der Natur begannen gebiets- und zeitweise auch die Rapsschädlinge aktiv zu werden. Wo es nötig war, fanden dementsprechend Pflanzenschutzmaßnahmen statt. In weit entwickelten Beständen kamen außerdem die ersten Wachstumsregler zum Einsatz.

Von Aprilwetter kaum eine Spur – trockene Böden und erste Waldbrände
Der April fiel insgesamt warm, trocken und sonnig aus. Lediglich zu Beginn und zum Monatsende machte er seinem Namen Ehre. Im Monatsverlauf trockneten die Böden fortwährend ab, so dass anstehende Feldarbeiten meist problemlos durchgeführt werden konnten. Zuckerrüben, Kartoffeln und Mais konnten bestellt werden und fingen an aufzulaufen. Das Wintergetreide ging derweil allmählich in die phänologische Phase des Schossens über. Trotz der ansteigenden Temperaturen traten allerdings noch immer einige Nächte mit Bodenfrost auf. Dies führte dazu, dass die Vegetation keinen wesentlichen Entwicklungsvorsprung zeigte, so wie es noch im Vorjahr der Fall gewesen war. Die Trockenheit führte zu vereinzelten kleinen Waldbränden und örtlich muss-ten die ersten Beregnungsanlagen in Betrieb genommen werden. Der Vorteil der tro-ckenen Witterung war, dass sich die Gefahr von Pilzkrankheiten in Grenzen hielt.

Ein Spektrum von sehr trocken bis nass im Mai – Vegetation leicht im Rückstand
Insgesamt war der Mai nahezu temperaturnormal, trüb und zu trocken. Die Nieder-schlagsverteilung wies allerdings eine große räumliche Differenzierung auf: Im Norden und im Süden war es eher nass, während die Mitte Deutschlands unter starker Trockenheit litt. Trockene Phasen wurden verbreitet für Silage- und Heuschnitte genutzt. Wo feuchte Bedingungen herrschten, die Pilzinfektionen begünstigen, waren Pflanzenschutzmaßnahmen ein großes Thema. In den trockenen Regionen liefen hingegen die Beregnungsanlagen, auch die Waldbrandgefahr stieg an. Vielerorts trat in den Nächten noch Bodenfrost auf. Dies war mitunter ein Grund dafür, dass die phänologische Entwicklung der Kulturen leicht im Rückstand war. Im Monatsverlauf sind Mais und Kartof-feln aufgelaufen und die Kartoffelbestände waren zum Monatsende einigerorts ge-schlossen. Die Wintergerste ging Anfang des Monats und der Winterweizen zum Ende des Monats in die Phase des Ährenschiebens über.

Hinweis an die Redaktion
Die nachfolgenden Abbildungen können unter www.dwd.de/presse als Anhang zu dieser Pressemitteilung geladen werden. Mehr dazu und weitere Informationen zum Wetter für die Landwirtschaft finden.

 

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